15.05.2024

Heute im Gespräch: Silvana Hiller - Fachberaterin PSNV-E

12
PSNV steht für Psychologische Notfallversorgung – Einsatzkräfte. KfV: Was ist deine Aufgabe als Fachberaterin PSNV-E und worin unterscheidet sich deine Arbeit von der des Kriseninterventionsteams (kurz: KIT) im Landkreis Neu-Ulm? Silvana: In meinen Aufgabenbereich gehört die fachliche Fort- und Weiterbildung der „Peers“. Peers sind bei uns in der Feuerwehr Einsatzkräfte, die eine psychologische Ausbildung haben und in der Lage sind Feuerwehrangehörige bei belastenden Ereignissen zu begleiten. Des Weiteren bieten wir Präventionsarbeit im Sinne von Schulungen, Beratungen etc. an, welche bei der MTA-Ausbildung oder auch als Übungsstunde bei der einzelnen Feuerwehr vor Ort umgesetzt werden kann. Weiterhin der Aufbau und die Leitung der Einsatznachsorge sowie innerdienstliche und einsatzbezogene Beratung rund um „PSNV-E“. Das KIT-Team kommt bei akut psychisch-traumatischen Unfällen an der Einsatzstelle dazu. Sie betreuen Angehörige und Beteiligte im Rettungsdienst. Wir vom „PSNV-E-Team“ betreuen unsere Feuerwehr-Einsatzkräfte, da diese in einer anderen Art und Weise vom Unfall betroffen sind und auf das Gesehene und Erlebte anders reagieren. KfV: Wozu benötigt man speziell eine Fachberaterin PSNV-E? Silvana: Jede einzelne Feuerwehr, egal welcher Größe, kann belastende Einsätze erleben. Nicht alle Feuerwehren verfügen über Peers, die die Einsatzkräfte betreuen oder präventiv in einer Feuerwehr arbeiten. Um diese Lücke zu füllen, ist der Fachberater verantwortlich für die psychologische Notfallversorgung innerhalb der Feuerwehr im zuständigen Bereich einer Gemeinde, Stadt oder auf Landkreisebene. KfV: Kann man – einfach gesagt sagen: PSNV ist erste Hilfe für die Seele? Silvana: Ja, das kann man so sagen. Allgemein werden wir Menschen unvorbereitet mit einem Unglücksfall konfrontiert und das kann uns seelisch aus der Bahn werfen. Unser PSNV-E-Team des Landkreises Neu-Ulm ist speziell für die Einsatzkräfte da, um bei der Bewältigung des Ereignisses zu helfen. Sei es durch ein Gruppengespräch und/oder Einzelgespräch. Kfv: Merken denn betroffene Einsatzkräfte, dass sie die PSNV benötigen oder ist dazu der externe Blick zum Beispiel des Einsatzleiters nötig, also das Erkennen der Situation durch einen Außenstehenden? Silvana: Ein aufmerksamer Einsatzleiter/Kommandant achtet auf seine Mannschaft und kann schon einmal präventiv Vorsorge tragen. Eine aktive Einsatznachsorge nach belastenden Einsätzen (Bahnunfälle, Reanimation, Verkehrsunfälle mit Todesfolge usw.) ist wünschenswert. Hier scheut man noch oft ein Gruppen- oder Einzelgespräch. Dabei können gerade diese Maßnahmen helfen, das Erlebte besser zu verarbeiten. Es gibt betroffene Einsatzkräfte, die sich in bzw. nach einer solchen Situation direkt an uns gewendet haben. Durch unsere besondere Fachkenntnis in diesem sensiblen Bereich waren die Gespräche für die betroffenen Einsatzkräfte sehr hilfreich und wir bekamen positives Feedback. Natürlich gibt es auch Einsatzkräfte, die das Thema mit sich selber ausmachen wollen. Hiergegen spricht generell nichts, denn jeder Mensch geht individuell mit Belastungen um. Wenn aber dann der Griff zu Alkohol oder Drogen erfolgt oder ein sozialer Rückzug stattfindet, sollte spätestens dann die auf die Kameradin oder den Kameraden zugegangen werden und die von uns angebotene Hilfe in Anspruch genommen werden. KfV: Wer kann sich alles an dich wenden? Silvana: Alle Einsatzkräfte des Landkreises Neu-Ulm. Meine Kontaktdaten stehen auf der Homepage des Kreisfeuerwehrverbandes Neu-Ulm. Im Übrigen muss die Einsatzkraft den Kommandanten nicht darüber informieren und alles während des Treffens Gesprochene bleibt selbstverständlich vertraulich. KfV: Wie wirst Du alarmiert? Silvana: Ich kann über die Leitstelle alarmiert werden - Schlagwort „Fachbereichsleiter PSNV-E“. Sollten mehrere Peers benötigt werden, so können diese jederzeit nachalarmiert werden. KfV: Kann man als Einsatzkraft vorbeugende Maßnahmen treffen, um einer seelischen Belastung stärker gewappnet entgegenzutreten? Silvana: Ob man eine psychische Ausnahmesituation erleidet hängt von vielen Faktoren ab und ist im Übrigen auch kein Zeichen von Schwäche. Darüber hinaus kann sich jede Einsatzkraft durch gewisse Verhaltensweisen auf verstärkte psychische Belastungen einstellen und diesen gestärkt entgegentreten: 1.) Nimm an Übungen teil! Wenn Du weißt, dass Du gut bist, arbeitest Du souveräner und stressärmer! 2.) Setze dich mit Belastungen auseinander! Redet über das im Einsatz erlebte, sowohl über normale Einsätze als auch über die besonderen und schweren. Der vertrauensvolle Zusammenhalt in der Gruppe, Rückendeckung und ein offenes Ohr sind eine wichtige Basis. 3.) Baue den angestauten Alltagsstress ab! Lies ein Buch, gehe schwimmen, treibe Sport, gehe ein Eis essen… – „Tue das, was Dir gut tut“. KfV: Wir danken für das Interview!
Artikel von: Fachbereich 6, Fotos: Landkreis Neu-Ulm, pixaby
Feuerwehren
zurück