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Feuerwehren im Landkreis Neu-Ulm - Pressearchiv

mit freundlicher Genehmigung der
Illertisser Zeitung

18.07.2005

Turbulentes Wochenende für die Feuerwehr

Bombenfund und heftige Unwetter halten die Helfer auf Trab - Petrus verhagelt Feuerwehr und THW "Rock am Petrus"

Neu-Ulm/Senden (kr).

Die Feuerwehren im nördlichen Landkreis Neu-Ulm haben ein turbulentes Wochenende erlebt. Für die Neu-Ulmer Wehr begann es schon am Freitagnachmittag, nachdem beim Bahnhof eine Bombe entdeckt worden war und zwischenzeitlich ein heftiges Unwetter über der Stadt niederging. Am Samstagnachmittag war wieder Großeinsatz - ebenfalls wegen eines starken Gewitters. Besonders betroffen davon war die Stadt Senden, wo unter anderem der Parkplatz des "Marktkauf" unter Wasser stand.

"Schon am Freitag wurde die Leistungsfähigkeit der Neu-Ulmer Feuerwehren und der Feuerwehr-Einsatzzentrale auf eine harte Probe gestellt", so Neu-Ulms Feuerwehr-Chef Andreas Thoß. Zunächst mussten die Helfer ausrücken, weil, wie berichtet, auf dem Bahnhofsgelände eine 500 Kilogramm schwere Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden war. Vordringlichste Aufgabe von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und dem Roten Kreuz - insgesamt zirka 150 Frauen und Männer - war die Evakuierung der Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft der Fundstelle. Etwa 80 Personen aus Bahnhof-, Karl- und Turmstraße wurden in die Peter-Schöllhorn- und die Weststadtschule gebracht, wo sie bis zur Entschärfung der Bombe kurz nach 19 Uhr von Mitgliedern des Roten Kreuzes betreut wurden. Schwierig gestaltete sich die Evakuierung von pflegebedürftigen und bettlägrigen Menschen aus ihren Wohnungen. Neu-Ulms Polizeichef Wieland Pokorny, der während des Bombenalarms die Einsatzleitung übernommen hatte, zollte den zivilen Helfern noch am Freitagabend allerhöchstes Lob: "Respekt, das hat alles reibungslos funktioniert."

15 weitere Einsätze

Das Lob Pokornys wiegt noch schwerer, wenn man berücksichtigt, dass während des Bombenalarms ein schweres Gewitter über dem nördlichen Landkreis niederging, das Keller und Unterführungen überschwemmte und Äste und Bäume auf Straßen stürzen ließ. Andreas Thoß spricht von 15 "teilweise sehr dringlichen Einsätzen, die abgearbeitet werden mussten" - darunter zwei Brände und ein Verkehrsunfall. Ganz besonders gefordert waren die Diensthabenden in Einsatzzentrale an der Zeppelinstraße, die neben den Aktionen in Neu-Ulm auch die Einsätze im gesamten Landkreis koordinieren mussten - eine gewaltige Aufgabe, da sechs Löschzüge und drei Freiwillige Feuerwehren mit insgesamt 200 Frauen und Männern ausgerückt waren.

Feuerwehr-Chef Thoß, der sein Handwerk in Frankfurt am Main gelernt hat, ist mit der Arbeit "seiner" Einsatzzentrale voll und ganz zufrieden: "Solche Vorfälle sind sogar in Großstädten eine Seltenheit. Dank der hohen Personalqualität blieb die Situation die gesamte Zeit über unter Kontrolle."

Die Einsatzfahrzeuge standen nicht lange in den Gerätehäusern. Am Samstag wurden die Helfer erneut angefordert, als am Nachmittag wiederum ein Gewitter mit Blitz, Donner, Windböen und Starkregen über den Landkreis-Norden zog. In Neu-Ulm mussten Feuerwehrleute in der Innenstadt verstopfte Kanäle säubern, die die Wassermengen nicht mehr schlucken konnten, überflutete Keller auspumpen und Äste und Bäume, die auf Straßen gefallen waren, beseitigen. Kritisch für einige Zeit war es in Jedelhausen: Durch die immense Niederschlagsmenge war das Wasser des Dorfbaches stark angestiegen. Vorsichtshalber deponierte der Löschzug Jedelhausen Sandsäcke in der Nähe des Bachs. Sie brauchten allerdings nicht ausgelegt werden, da der Pegel relativ rasch wieder absank.

Großeinsatz dagegen bei der Feuerwehr in Senden: Die Abflüsse in den Parkplätzen rund um den "Marktkauf" wurden den Wassermassen, verbunden mit Hagel, nicht mehr Herr, auf den Teerflächen blieb das Wasser stehen und lief zum Teil in den Supermarkt. Die Feuerwehr konnte noch Schlimmeres verhindern, indem sie mit Sandsäcken die Zugänge abdichtete. Auf dem Dach des Möbelhauses Inhofer bildeten sich riesige Wasserpfützen, weil nach Meinung von Feuerwehrkommandant Helmut Rogg die Abfluss-Schächte durch Hagel verstopft waren. Nachdem Helfer die Schächte gesäubert hatten, konnte das Wasser wieder abfließen.

140 Frauen und Männer im Einsatz

Auch sozusagen normale Einsätze mussten die Sendener Wehrleute, die von ihren Helferkollegen aus den Stadtteilen und den Nachbarn aus Illerzell und Vöhringen unterstützt wurden, bewältigen. 15 Keller mussten geleert, Äste und Bäume weggeräumt und verstopfte Gullys gereinigt werden. Insgesamt, so Kommandant Rogg, waren etwa 140 Frauen und Männer im Einsatz, teilweise auch noch am gestrigen Sonntag. Erstaunlich: Offenbar lag Senden direkt in der Gewitterschneise. In Wullenstetten beispielsweise wurde kein einziger Einsatz verzeichnet, in Witzighausen gerade einmal einer.

Auch Weißenhorn kam relativ glimpflich davon: Dort wurde ein Keller überflutet, in der Nähe des Krankenhauses und im Eschach fielen Bäume und Äste auf die Straße, ohne allerdings Schaden anzurichten.

Obwohl sie zu keinem Einsatz gerufen wurden, kamen die Pfaffenhofer Feuerwehrleute vom Unwetter auch etwas ab - beim Gebetstag in Marienfried, an dem auch die Wehr teilnahm, wurden einige Helfer kräftig nass.