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Feuerwehren im Landkreis Neu-Ulm - Pressearchiv


18. August 2004

Wilhelm Schmid

Information zum Thema Wespenschutz

Illertissen (wis). "Hilfe, ein Wespennest !" Dieser vermeintliche Schreckensruf ist zur Zeit oft zu hören, und zahlreiche Anrufer bei Polizei, Gemeindeverwaltungen und Feuerwehren bitten dann um Abhilfe. Insbesondere die Feuerwehr als Helfer in allen Notlagen wird gerade in diesen Sommertagen laufend gebeten, Wespennester zu entfernen. Dies geschieht jedoch nur in echten Notfällen: Kreisbrandrat Alfred Raible verweist auf eine ganze Reihe von Gründen, die es angeraten sein lassen, ein Wespennest ganz einfach unberührt zu lassen.

Von den acht bei uns vorkommenden Wespenarten werden nachweislich nur zwei dem Menschen lästig und das auch nur, wenn bestimmte Regeln missachtet werden. So darf ein Nest nicht erschüttert werden; die Flugbahn darf nicht blockiert werden, die Tiere sollten nicht angehaucht werden und ganz einfach im Umkreis von drei Metern um das Nest nicht bedrängt werden, da sie sonst instinktiv den vermeintlichen Angreifer abwehren.

Tauchen also Wespen am Kaffeetisch im Garten auf, so können sie mit langsamen Bewegungen ohne Weiteres verscheucht werden, da sie sich ja abseits vom Nest befinden. Daraus ergibt sich auch, dass die Feuerwehr nur bereit ist, Wespennester zu beseitigen, die eine wirkliche Gefahr darstellen, wenn sie sich etwa in unmittelbarer Nähe der Wohnung, auf der Terrasse oder im Rollladenkasten eingenistet haben. Im Gebüsch oder in einer Hecke und dazu noch zwanzig Meter hinter dem Haus, wo kein Weg vorbei führt, ist die Feuerwehr nicht bereit, ein Nest zu beseitigen, da hier der Naturschutz Vorrang hat: Auch Wespen haben im Naturhaushalt eine "Planstelle" und sind im "ökologischen Netz von Bedeutung; deshalb stehen sie unter Naturschutz. Werden sie vernichtet, so nehmen dafür echte Schadinsekten und auch lästige Fliegen überhand. Die Feuerwehr muss also zunächst die Situation beurteilen, wenn sie um Hilfe gebeten wird, und nur bei Vorliegen echter Gefahr wird sie auch tätig.

Wenn möglich, wird das Wespennest als Ganzes genommen, in einen Plastiksack gesteckt und im Wald wieder frei gelassen. Hausbesitzer sollten auch wissen, dass Einsätze dieser Art kostenpflichtig sind. Die jeweilige Gemeinde- oder Stadtverwaltung stellt gemäß Gebührensatzung eine Rechnung aus. Wer also ein Wespennest beseitigen lassen will, sollte sich dies aus all den genannten Gründen noch einmal überlegen. Ein Fachaufsatz in der Deutschen Feuerwehrzeitung verweist im Übrigen darauf, dass die nach weit verbreterer Meinung so "gefährlichen" Hornissen auch nicht anders einzuschätzen sind als die Wespen: Die Horrorgeschichten, von wenigen Stichen, die lebensgefährlich seien, werden ins Reich der Fantasie verwiesen. Nur wer tatsächlich an einer entsprechenden Allergie leidet, sollte die passenden Medikamente vorrätig haben oder er braucht schnell ärztliche Hilfe. Ansonsten gilt: Erst einmal die Ruhe bewahren. Die wohl beste Internetseite mit ausführlicher Beratung zu diesem Thema bietet die Adresse www.aktion-wespenschutz.de, auf der ein Frankfurter Berufsfeuerwehrmann ausführliche Informationen und Beratungen vermittelt. Wer sich hier kundig macht, wird nicht gleich die Feuerwehr rufen, sondern kann eine Vielzahl anderer Vorgehensweisen überlegen, ehe zum letzten Mittel, der "Chemischen Keule", gegriffen wird. Die Feuerwehren des Landkreises Neu-Ulm bitten deshalb alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Grundsätze des Naturschutzes zu bedenken und nur dann die Feuerwehr zu Hilfe zu rufen, wenn eine unmittelbare Gefahr besteht.

Weitere Informationen im Internet zum Thema finden Sie unter folgendem (externen) Link: www.aktion-wespenschutz.de