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Feuerwehren im Landkreis Neu-Ulm - Pressearchiv

mit freundlicher Genehmigung der
Illertisser Zeitung

Samstag, 24.03.2001

Ist es uncool, anderen helfen zu wollen? 

17 Illertisser Jugendliche sind Mitglied bei der Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr 

Von unserer Mitarbeiterin Melanie Braun 

Illertissen 
Es ist Donnerstagabend, 18.30 Uhr. Draußen wird es so
langsam dunkel, und das Abendrot taucht die Welt in ein
schummriges Zwielicht. Das ist die Zeit, in der sich die meisten
müde von der Arbeit auf den Heimweg machen und auf den
wohlverdienten Feierabend freuen. Das ist aber auch die Zeit,
in der eine kleine, unermüdliche Truppe erst richtig loslegt. 
Auf dem gepflasterten Platz vor dem Feuerwehrhaus tummeln
sich 10 junge Feuerwehrmänner, die eifrig Rohre und Schläuche
aus dem Gerätehaus bringen. Auf Kommando gruppieren sich
die Jung- Feuerwehrler ­ darunter auch zwei Mädchen ­ um
ihren Chef, den Jugendwart Martin Träger. Dieser versucht
gemeinsam mit seinem Stellvertreter Ivo Rimblod, der
Jugendgruppe ­ übrigens der ältesten Jugendgruppe im ganzen
Landkreis ­ die notwendigen Grundlagen für die Bayerische
Jugendleistungsprüfung beizubringen. Heute Abend steht
Gerätekunde auf dem Plan. Schnell sind zwei Gruppen gebildet,
die eine geht zur Übung Schlauch und Leine auswerfen, die
andere übt das Kuppeln mit dem Saugschlauch. 

"Aufeinander abstimmen" 
"Den braucht man, wenn mal kein Hydrant in der Nähe ist und
man Wasser aus einem Weiher oder Baggersee pumpen muss",
erklärt mir die 17- jährige Nicole Stetter, die die Prüfung bereits
bestanden hat. Sie ist schon seit zwei Jahren bei der
Feuerwehr. Ihr Bruder, der auch dabei ist, hat sie auf die Idee
gebracht. Wenn sie nicht gerade den Jüngsten zeigt, wie man
die Übungen richtig macht, geht sie wie andere Mädchen auch
gerne zum Tanzen. "Ihr müsst euch genauer aufeinander
abstimmen", mahnt da plötzlich Martin Träger seine Jungs.
Teamwork ist angesagt. 

Zwei Mann verkuppeln die Anschlüsse mit Schraubschlüsseln,
während zwei weitere die Leitungen so halten müssen, dass
die Enden passend aufeinanderliegen. "Da das Ganze noch auf
Zeit geht, bedeutet das, schnell und präzise arbeiten, ohne sich
im Weg rumzustehen", erklärt Martin. Bei der anderen Aufgabe
ist das Ziel, einen Schlauch oder eine Leine möglichst weit und
möglichst gerade auszuwerfen. Auch wenn die Schläuche mehr
in Kurven als in Linien fliegen, haben die Jungs jede Menge
Spaß. Nun, lustige Übungen sind eine Sache. Zuverlässigkeit
und Disziplin schon eine andere, aber unerlässliche. 

Was bewegt dennoch 17 Illertisser Jugendliche, sich bei der
Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren? Benjamin Frasch, 16
Jahre alt, hat da eine Erklärung: "Auf die Idee bin ich durch
einen Arbeitskollegen meiner Mutter gekommen." Der hat den
damals 14- Jährigen gefragt, ob er nicht Lust hätte, mal bei der
Feuerwehr vorbeizuschaun. Das hat Benjamin auch getan und
war sofort begeistert. Jetzt ist er schon seit zwei Jahren dabei.
"Am Anfang fand ich`s einfach spannend, und mittlerweile hab
ich hier auch richtig gute Freunde", meint Benjamin. Doch dass
aus diesem spannenden Hobby schnell Ernst werden kann, hat
der Junge schon mitbekommen. 

"Ich war mal bei einem schweren Autounfall dabei, das geht mir
heute noch im Kopf rum", erzählt Benjamin. Aber deswegen
hört er nicht auf. Im Gegenteil, er findet es gut, gebraucht zu
werden. Das stärke das eigene Selbstwertgefühl 

Auch Michael Krahl sieht das ähnlich: "Das Ziel ist einfach,
anderen helfen zu können, wenn man nach der
Grundausbildung zu den Aktiven kommt." Zu den Aktiven kommt
man ab 18, aber schon ab 16 Jahren darf man wie Benjamin
Frasch bei Einsätzen dabei sein, allerdings außerhalb der
Gefahrenzone. Michael ist durch seine Brüder dazugekommen,
die ebenfalls bei der Feuerwehr sind, und hat Gefallen an der
Sache gefunden. Zum einen, weil man dort Dinge lernt, die auch
im Alltag weiterhelfen. 

Doch viel wichtiger: "Ich hab hier so viele Kumpels, und der
Zusammenhalt ist einfach super." Dass die Feuerwehr fast
schon ein familiärer Verein ist, lässt sich auch erahnen, wenn
Martin Träger ganz stolz von seinen Jungs berichtet, wie sie
letztes Jahr das Deutsche Jungendleistungsabzeichen geholt
haben. Und gerade dass es so familiär zugeht, findet Martin
sehr wichtig, denn "sonst könnte man die ganzen Erlebnisse
nicht teilen und sich während dem Einsatz nicht aufeinander
verlassen". 

Interessantes Hobby 
Dass man sich aufeinander verlassen können muss, sieht auch
Alfred Raible, Kreisbrandrat des Landkreises Neu- Ulm, als
Argument für die ehrenamtliche Arbeit. "Die Jugendlichen lernen
hier einfach, dass die Kameraden einen brauchen, dass man
wichtig ist und Verantwortung trägt." Denn wenn hier kein
Verlass wäre, könnte das schlimme Folgen haben. Das macht
das Hobby vielleicht auch so interessant. Hier geht es wirklich
um was, hier ist man gefragt. Außerdem sei es auch eine
Befriedigung, helfen zu können, und nicht hilflos zu sein, so
Raible. Aber so manch großes Vorbild kam auch aus ganz
einfachen Gründen zum Ehrenamt. 

"Mich hat die Feuerwehr schon immer fasziniert", verkündet
Martin Träger. Die Erklärung: Das Kind im Manne. Die Autos, das
Blaulicht, die Einsätze, all das habe ihn schon begeistert, als er
noch mit Modellautos spielte. Und er vermutet, da nicht der
Einzige zu sein. Wie auch immer die Jungen sich motivieren, sie
nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Doch auch der Spaß kommt im
Zeltlager oder bei Go-Kart-Rennen nicht zu kurz. Uncool findet
es jedenfalls keiner, anderen zu helfen.