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Kreisfeuerwehrverband Neu-Ulm

Online Berichte

Mit freundlicher Genehmigung der
Südwest-Presse

06.05.2008

Neu-Ulm: 20 Verletzte bei Brand in Mietshaus

Bewohner springen in Panik aus oberen Etagen - Zwei Männer schweben in Lebensgefahr

Oberbürgermeister Gerold Noerenberg informierte sich vor Ort über den Brand in dem Mehrfamilienhaus in der Kasernstraße (ganz links). Helikopter flogen die schwerstverletzten Opfer in Spezialkliniken aus. Das ganze Ausmaß der Zerstörung war am nächsten Tag sichtbar. Foto: Marcus Konrad (1), Ralf Zwiebler (1), Volkmar Könneke (3) Bei einem Großbrand in einem Mehrfamilienhaus in der Neu-Ulmer Innenstadt sind in der Nacht auf Montag 20 Personen verletzt worden - zwei davon lebensgefährlich. Die Brandursache ist noch unklar. HANS-ULI MAYER KARIN MITSCHANG Neu-Ulm Normalerweise ist der Zwergspitz der 30-jährigen Frau in der Nacht ruhig. Doch am Montagfrüh schlägt der Hund plötzlich Alarm. Es ist kurz nach halb drei Uhr, als die Neu-Ulmer Hundehalterin aufsteht, von Schreien gelockt ans Fenster geht und im schräg gegenüberliegenden Haus die Flammen aus dem Dach schlagen sieht. Plötzlich ist sie hellwach: "Es war ein Riesenchaos aus Feuer, Rauch und Hilferufen von Verletzten." Dann kann sie nicht mehr hinsehen, zu tief sitzt der Schock über die schrecklichen Bilder. Was die Bewohnerin der Maximilianstraße am Montagfrüh beobachtet hat, war der größte Brand- und Rettungseinsatz in Neu-Ulm seit vielen Jahren. Die Feuerwehr reagierte mit einer Vollalarmierung, was nur eine Stufe unter der Katastrophe ist, Einsatzkräfte rückten aus Neu-Ulm, dem Landkreis, Senden und Ulm an. In dem fünfgeschossigen Eckhaus an Kasern- und Maximilianstraße sind 25 Personen gemeldet, 20 davon waren im Haus. Mit Atemschutzmasken, Sprungkissen und über Leitern rettete die Feuerwehr die Bewohner, von denen zwei 42-jährige Männer zuvor aus einem Fenster im dritten Stock gesprungen waren und sich schwer verletzten. Beide wurden mit zahlreichen Knochenbrüchen und Verbrennungen in Spezialkliniken nach München-Bogenhausen und Nürnberg geflogen. Eine weitere schwerverletzte Person kam in die Uni-Klinik Ulm. Insgesamt mussten 20 Personen ärztlich versorgt werden. Der Notruf war um 2.28 Uhr bei der Polizei in Neu-Ulm eingegangen, die Feuerwehren wurden schnellstens alarmiert. "Unsere erste Maßnahme war es, die Bewohner zu retten", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Rainer Daumann. Über die Nacht verteilt haben abwechselnd 50 Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutzgerät das Gebäude durchsucht. "Wir haben dann versucht, das Überspringen der Flammen zu verhindern, was uns insgesamt sehr gut gelungen ist", sagte Daumann. Vorsorglich wurden weitere Häuser evakuiert, 53 Menschen aus der Nachbarschaft in Sicherheit gebracht. Insgesamt waren 180 Feuerwehrleute mit 30 Fahrzeugen im Einsatz. Das Feuer war bereits etwa eine Stunde nach dem Alarm unter ihrer Kontrolle, trotzdem mussten sie noch den ganzen Vormittag über mühsam kleinere Glutnester löschen und bekämpfen. Wie es zu dem Großfeuer kommen konnte, blieb gestern unklar. Zwar ist der größte Brandschaden an der dem Hof zugewandten Fassade zu finden, wo vor kurzem eine neue Dämmschicht aufgebracht worden war. Um den Ursprung des Feuers angeben zu können, müssen jedoch letztendlich die Ergebnisse der Arbeit von Sachverständigen abgewartet werden. "Alles andere ist Spekulation", sagte Polizeirat Armin Mayer, der ebenso wie OB Gerold Noerenberg noch in der Nacht an den Brandort geeilt war. Hinweise auf Brandstiftung liegen bisher nicht vor. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg sprach von einem "größeren Zwischenfall" und zeigte sich "froh und glücklich", dass sich das Unglück einigermaßen in Grenzen gehalten habe. Er lobte die gute Zusammenarbeit der Rettungskräfte, deren schnellem Eingreifen es zu verdanken sei, dass das Feuer nicht auf andere Häuser übergeschlagen habe. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte der OB. Tatsächlich klappte die Zusammenarbeit vor Ort wie am Schnürchen. Nur einige Meter von der Brandstelle entfernt war an der Wilhelmstraße eine Sammelstelle des Roten Kreuzes eingerichtet worden, das mit 96 Sanitätern und 12 Notärzten vor Ort war. Dort wurden alle Bewohner behandelt, von denen viele über Reizungen der Atemwege, Verstauchungen und Schürfungen klagten. Das Technische Hilfswerk leuchtete auf der Freifläche des ehemaligen Hauptbahnhofs einen Landeplatz für die Rettungshubschrauber aus, die die beiden schwerstverletzten Personen ausflogen. Als die Helikopter weg waren, rüsteten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks die große Lichtanlage wieder ab und bauten sie wenige Meter weiter am Brandort auf, um das Eckhaus für Feuerwehr und Kripo auszuleuchten. In der Maximilianstraße standen zig Einsatzwagen, ein Besprechungs-Zelt und Bänke für die Helfer, aus den Fenstern der umliegenden Häuser schauten Anwohner, die aus dem Schlaf gerissen worden waren. Bereits gegen 3.30 Uhr wurde eine erste Pressekonferenz mit lokalen Zeitungs-, Radio- und Fernsehjournalisten improvisiert, es wurde und über das ganze Ausmaß informiert. Derweil spritzten Feuerwehrmänner von mehreren Drehleitern aus Wasser auf das Dach und in die Fenster des stark rauchenden Mietshauses. Auf der Straße lagen die zerschnittenen Kleider eines Verletzten, der wenig zuvor schreiend am Boden gelegen war und dann geborgen und notfallmäßig versorgt worden war. Alle paar Minuten hatte es in der Nacht Einsatzbesprechungen von Feuerwehr, DRK und Polizei gegeben. Zusammen mit dem OB diskutierten die Rettungskräfte etwa, wie und wo die angrenzenden Straßen abgesperrt werden mussten. Noerenberg, der in der Nähe wohnt und von den Sirenen aufgeweckt worden war, machte sich schon in der Nacht Gedanken darüber, wie die 25 Bewohner unterzubringen sein würden. "Genügend Notunterkünfte für alle gibt es nicht", befürchtete er, "wir müssen erst einmal sehen, wer bei Freunden oder Verwandten unterkommen kann." Info Die Kripo Neu-Ulm sucht zwei junge Männer und eine junge Frau, die noch vor der Polizei bei dem Brand waren und den Bewohnern ihre Hilfe anboten. Die Kripo erhofft sich von ihnen wertvolle Informationen zum Brandhergang. Hinweise unter Tel. (0731) 801 30.


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