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Kreisfeuerwehrverband Neu-Ulm

Online Berichte

Mit freundlicher Genehmigung der
Illertisser Zeitung

10.08.2018

Altenstadt: Bahnunfall - Zugmaschine mit Grubber streift Regionalexpress

Es ist Donnerstagvormittag gegen 9.40 Uhr. Ein Regionalzug ist, wie gewohnt um diese Zeit, zwischen Illertissen und Altenstadt in Richtung Süden unterwegs. An Bord sind 73 Reisende – wenige Sekunden später endet ihre Fahrt abrupt. Schuld daran ist ein landwirtschaftliches Gerät. Auf einem Feld kurz vor Untereichen, auf Höhe des Altenstadter Wertstoffhofs, ist ein 77 Jahre alter Landwirt dabei, den Untergrund mit einem sogenannten Grubber – ein Konstrukt zur leichten Bodenbearbeitung – aufzulockern. Er wendet auf einem Weg nahe der Gleise und da passiert es: Die landwirtschaftliche Maschine touchiert den herannahenden Zug. Die Bahn wird gestreift, eine am Grubber angebaute Walze wird abgerissen und hunderte Meter weiter kommt der Zug schließlich zum Stehen.

Laut Polizei hatte der 24-jährige Lokführer kurz zuvor ein akustisches Warnsignal abgegeben und die Notbremsung eingeleitet. Dennoch kann nicht verhindert werden, dass sich beide Fahrzeuge streifen. Der Zug hält etwa 100 Meter vor dem Bahnübergang „Mühlbachstraße“ in Untereichen. Die positive Nachricht: Niemand verletzt sich während des Unfalls. Dennoch: Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Rettungsdienst werden mit einem Großaufgebot nach Untereichen alarmiert, denn noch steht nicht fest, wie schlimm der Unfall tatsächlich ist. Von der Deutschen Bahn rücken mehrere Notfallmanager an, die sich ein Bild von der Lage machen.

Was sich allerdings zunächst dramatisch anhört, stellt sich im Verlauf des Donnerstagvormittags glücklicherweise als weniger schlimm heraus. Ein Bus trifft ein und bringt die Fahrgäste zum nächstgelegenen Bahnhof nach Altenstadt, manche Reisende sind bereits mit ihren mitgebrachten Rädern dorthin unterwegs. Ein Mann verletzt sich beim Umsteigen von Bahn in Bus leicht und wird vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht.

Rund zwei Stunden nach dem Unfall rollt die Bahn wieder. Das bedeutet für viele Bahnreisende: bis zu zwei Stunden Verspätung. Wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage sagt, seien auf den Schienen zwischen Ulm und Memmingen am Donnerstagvormittag sieben Regionalzüge unterwegs. Nach dem Zwischenfall ist die Rede von einem „Teilausfall“. „Wir haben versucht, die Strecke bis Illertissen und ab Altenstadt aufrechtzuerhalten“, sagt der Sprecher. Diese Linien fahren ihm zufolge an diesem Tag auch planmäßig. Wer also beispielsweise von Ulm nach Vöhringen reisen will, der hat Glück. Jemand der von Illertissen nach Memmingen unterwegs ist, muss an diesem Vormittag auf spätere Zugverbindungen zurückgreifen. „Durchreisende müssen mit bis zu zwei Stunden Verspätung rechnen“, sagt der Pressesprecher.

Wie berichtet, wird schon lange darüber diskutiert, die Strecke auszubauen – Stichwort Regio-S-Bahn – und mehrgleisig befahrbar zu machen. Bis Senden muss die Strecke Ulm-Memmingen zweigleisig erweitert werden, damit die Züge im gewünschten Takt fahren können. Zwischen Ulm und Memmingen heißt das also stündlich. Doch noch hat sich nicht viel getan. Und auch Untereichen ist seit Jahren im Blickpunkt der Gemeinderäte und Bürger: Der Übergang an der „Mühlbachstraße“ soll noch in diesem Jahr erneuert und ausgebaut werden. Denn, und das bestätigt die Deutsche Bahn, Übergänge an Gleisen sind Unfallschwerpunkte. Das Unternehmen möchte die Gefahrenstellen reduzieren. Zum Vergleich: 2016 ereigneten sich bayernweit an den Übergängen im Netz der Deutschen Bahn 35 Unfälle; 2012 waren es 22 mehr. In den meisten Fällen hätten die Unfälle jedoch durch richtiges Verhalten der Menschen vermieden werden können, heißt es vonseiten des Konzerns. Laut Unternehmen überqueren beispielsweise immer wieder Fußgänger die Gleise – trotz geschlossener Schranken.

In der Region ist der Zwischenfall vom Donnerstag übrigens nicht der erste dieser Art: Vor drei Jahren ist ein Lastwagen mit einem Zug auf Höhe Jedesheim zusammengestoßen, mehrere Menschen wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich an einem Übergang.

Nicht so der Zwischenfall auf Höhe des Wertstoffhofs. Dort kommt es auf freiem Feld zum Unfall. Jeweils 2,50 Meter von der Gleismitte entfernt dürfe in diesem Fall auf beiden Seiten der Bahnlinie nichts stehen. 2,50 Meter von der Gleismitte entfernt ist der Weg, auf dem der Landwirt seine Maschine wendet. „Die Maschine ist im Schwenkbereich“, so der Bahnsprecher. Der Traktor sei zwar weit genug weg, der Grubber ragt aber in den Abstandsbereich hinein. Der Landwirt muss sich nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr verantworten.

Text: Felicitas Macketanz / IZ, nach wis-Informationen

Bilder und Video: wis

Video: https://www.augsburger-allgemeine.de/illertissen/Landwirtschaftliche-Maschine-und-Zug-stossen-zusammen-id51887256.html

Bildergalerie: https://www.augsburger-allgemeine.de/illertissen/Zugunfall-vor-Altenstadt-Maschine-touchiert-Bahn-id51888631.html


 
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