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Kreisfeuerwehrverband Neu-Ulm

Online Berichte

Artikel von PP SWS / NUZ+IZ / SWP / wis

27.11.2015

Senden-Aufheim: Arbeiter in Baugrube tödlich verunglückt

Erste Meldung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West vom 26.11.2015:

Arbeiter in ausgehobenem Graben verschüttet

SENDEN-AUFHEIM: Gegen 20:00 Uhr wurde festgestellt, dass ein Aushubhaufen an einer Kanalbaugrube in diese abgerutscht ist.

Ein 45-jähriger Arbeiter aus dem Kreis Günzburg konnte nicht mehr erreicht werden. Es war zu befürchten, dass der Mann verschüttet wurde. Um die Kanalgrube absuchen zu können musste durch das THW zuerst der Aushubhaufen abgesichert werden, um die Gefahr für die Rettungskräfte bei der Suche nach Verschütteten zu beseitigen. Dies gestaltete sich sehr schwierig, da das Erdreich immer wieder nachrutschte. Erst kurz vor Mitternacht konnte mit der händischen Absuche begonnen werden. Bald darauf wurde der vermisste Arbeiter ausgegraben. Er muss bei dem Unfall sofort getötet worden sein. Es gibt bislang keine Zeugen des Vorfalls. Erste Ermittlungen zur Unfallursache wurden durch den Kriminaldauerdienst übernommen.

(Einsatzzentrale PP Schwaben Süd-West)

Nachtragsmeldung PP SWS vom 27.11.2015:

Arbeiter verschüttet – Nachtragsmeldung

SENDEN/LKR. NEU-ULM. Wie bereits berichtet verunglückte gestern ein Arbeiter in Senden OT Aufheim in einer Baugrube tödlich.

Wie die bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei Neu-Ulm ergaben, waren der 45-jährige Geschädigte zusammen mit seinem 35-jährigen Firmenchef mit Aushubarbeiten an einer etwa 13 Meter langen, 1,5 Meter breiten und rund 3,5 Meter tiefen Grube beschäftigt, die für die spätere Trinkwasserversorgung eines Wohnhauses vorgesehen ist. Der 35-Jährige verließ nachmittags die Baustelle und kehrte gegen Abend dorthin zurück, um den Mann abzuholen. Dabei stellte er fest, dass der dieser verschüttet wurde.

Nach derzeitigen Erkenntnissen rutschte der am Grubenrand befindliche Erdaushub in den Graben und verschüttete den dort stehenden Geschädigten. Entsprechendes Absicherungsmaterial für das ausgehobene Erdloch konnte vor Ort nicht festgestellt werden. Zum Unfallzeitpunkt war der Verunglückte alleine auf der Baustelle. Zur Klärung des Unfallhergangs und auch der Todesursache wurde durch die Kriminalpolizei Neu-Ulm eine Obduktion des Verstorbenen beantragt. Das Ergebnis liegt noch nicht vor, die Ermittlungen dauern an.

(PP Schwaben Süd/West; erstellt: 26.11.2015, 15.40 Uhr/Kt)

ILLERTISSER und NEU-ULMER ZEITUNG vom 27.11.2015:

Arbeiter stirbt in Baugrube: Jetzt ermittelt die Polizei

In Senden im Kreis Neu-Ulm wurde ein Arbeiter in einer Grube verschüttet - der Mann starb. Doch wie kam es zu dem Unglück? Die Polizei ermittelt.

Von Jens Carsten

Offenbar soll an der Stelle ein Kanal gebaut werden. Momentan deutet laut Polizei vieles darauf hin, dass Teile eines Erdbergs vom Rand der Grube in das 3,5 Meter tiefe Loch stürzten und den darin befindlichen Arbeiter verschütteten. Aktuell gehe man von einem tragischen Unfall aus, sagte Jürgen Krautwald, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten gestern auf Anfrage.

Wie es dazu kommen konnte, müssten nun weitere Ermittlungen zeigen. Daran seien auch zuständige Fachbehörden wie die Berufsgenossenschaft beteiligt. Absicherungsmaterial entlang der Baugrube wurde vor Ort nicht gefunden, hieß es. Es stelle sich daher die Frage, ob womöglich fahrlässig gehandelt worden sein könnte.

Kräfte des Technischen Hilfswerks Neu-Ulm und der Feuerwehren Aufheim und Senden mussten die Unfallstelle am Mittwochabend zunächst absichern. Mit Brettern, Balken und Schalungen wurden die Wände des 13 Meter langen und 1,5 Meter breiten Grabens abgestützt. Einsatzkräfte sprachen von einem aufwendigen Unterfangen, dabei war auch ein kleiner Bagger im Einsatz. Nach vier Stunden war die Grube so weit gesichert, dass der Körper geborgen werden konnte.

Obduktion soll den Ermittlern Hinweise geben

Die Ermittler hoffen, dass das Ergebnis der Obduktion Rückschlüsse auf den Unfallhergang zulässt. Entgegen einer ersten Meldung sei nicht zweifelsfrei davon auszugehen, dass der 45-Jährige sofort tot war, sagte Polizeisprecher Krautwald. Ein Befund könnte bis Anfang kommender Woche vorliegen.

In den nächsten Tagen stehen in der Sache weitere Vernehmungen an. Dabei wird es auch um Details zur Baustelle in Aufheim gehen. So sei der zeitliche Ablauf am Tag des Unfalls noch unklar. Krautwald: „Wenn man einen Kollegen verliert, hat man erst einmal andere Dinge im Kopf.“

SÜDWESTPRESSE vom 27.11.2015:

Arbeiter in Baugrube gestorben

Platten, Balken, Sprieße: Das Technische Hilfswerk hat am Dienstag alles aufgefahren, um einen 45-Jährigen aus einer Baugrube zu retten. Danach begannen Feuerwehrleute zu graben. Doch die Hilfe kam zu spät.

NIKO DIRNER | 27.11.2015

"Wir haben bald gesehen, dass da nichts mehr zu machen ist." So beschreibt Helmut Kirchhauser vom Kreisverband Neu-Ulm des Technischen Hilfswerk (THW) den Einsatz am Dienstagabend. Ein 45-jähriger Arbeiter aus dem Landkreis Günzburg wurde in einer Baugrube in Aufheim verschüttet und starb. Wie die Polizei mitteilt, war der Mann offenbar sofort von den Erdmassen erschlagen worden. 30 Feuerwehrleute aus Senden und Aufheim und 24 Mitglieder des THW brauchten Stunden, um den Verunglückten auszugraben.

Der Sendener Kommandant Peter Walter berichtet, die Feuerwehr sei um 20.30 Uhr alarmiert worden. 16 Feuerwehrleute kamen aus Senden, 14 aus Aufheim - vor Ort waren auch 8 Kameraden aus Hausen, die nicht eingesetzt wurden. Zudem: Sanitär, Notarzt, Polizisten. Zunächst war das THW gefordert, denn ständig rutschte Erdreich nach. Die Fachleute stützten die Grube mit Platten, Balken und Sprießen. Erst kurz vor Mitternacht konnten die Einsatzkräfte mit dem Graben beginnen. Zum Glück war unter den Feuerwehrleuten der Sohn des Sendener Bauunternehmers Schilling, der den vor Ort stehenden Minibagger bedienen konnte. Zwischendrin wurde geschaufelt. "Feuerwehr und THW haben gut zusammengearbeitet", sagt Kirchhauser. Alsbald kam der Kopf des toten Arbeiters zum Vorschein. Er stand aufrecht in dem Graben. Erst kurz nach 1 Uhr konnten sie den Leichnam bergen, berichtet Feuerwehrchef Walter.

Wie war es zu dem Unglück gekommen? Die Polizei teilte am Donnerstag mit, dass nach derzeitigen Erkenntnissen der neben der Grube abgelagerte Aushub abgerutscht war. Offenbar sei das Loch dagegen nicht gesichert gewesen. Zum Unfallzeitpunkt war der Verunglückte alleine auf der Baustelle. Er stand in der 3,5 Meter tiefen, 1,5 Meter breiten und 13 Meter langen Grube, in der Trinkwasserrohre für ein neues Haus verlegt werden sollen. Wann es zu dem Erdrutsch kam, ist unklar. Nach Erkenntnissen der Polizei hatte der 35-jährige Chef der mit den Aushubarbeiten beauftragten Firma die Baustelle am Nachmittag verlassen. Am Abend kam er zurück, um den Mann abzuholen. Dabei stellte er fest, dass dieser verschüttet wurde.

Um die Todesursache zu klären, hat die Kriminalpolizei am Donnerstag eine Obduktion des Verstorbenen beantragt. Das Ergebnis liegt noch nicht vor, die Ermittlungen dauern an.

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Anmerkung:

Die ursprünglich von einer Nachrichtenagentur verbreitete Meldung:

"Die Rettungskräfte gruben mit bloßen Händen"

war und ist eine freie Erfindung dieser Agentur. Leider wurde diese Erstmeldung von vielen Medien ungeprüft übernommen. Mir wurde von mehreren Redaktionen hier im Landkreis und auch in München bestätigt, dass man sich zwar gewundert habe, dass aber diese Formulierung immer wieder besonders bei Berichten von Erdbeben vorkommt und man deshalb einfach abgeschrieben bzw. kopiert habe.

In diesem Fall geht die Formulierung darauf zurück, dass in der ersten Polizeimeldung (siehe oben) von einer "händischen Absuche" geschrieben wurde, womit aber nie gemeint war, dass Einsatzkräfte ohne jedes Werkzeug, also "mit bloßen Händen", gearbeitet hätten.

Wilhelm Schmid, Pressesprecher KFV NU ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


 
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