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Kreisfeuerwehrverband Neu-Ulm

Online Berichte

Mit freundlicher Genehmigung der
Illertisser Zeitung

29.09.2012

CSA-Aufbaulehrgang bei BASF Illertissen

„Mayday – Mayday !“ Dieser international gebräuchliche Notruf aus dem Funkgerät von BASF-Werkfeuerwehr-Kommandant Michael Staudenhechtl lässt alle anderen Gespräche verstummen und sofort gibt der Einsatzleiter das Kommando: „Crash-Rettung !“ Ein zusätzlicher Zwei-Mann-Trupp geht unter schwerem Atemschutz und im Chemie-Schutz-Anzug (CSA) in das Gebäude vor, in dem andere CSA-Träger bereits seit einigen Minuten im Einsatz sind. Kurz darauf bringen vier Mann mit vereinten Kräften einen Kameraden aus dem Seiteneingang und schleppen ihn zum „Dekontaminationsplatz“, wo der Verunglückte schnell von außen gereinigt und dann aus seinem Schutzanzug befreit wird. Nach ersten Hilfsmaßnahmen gibt der Leiter des „Dekon“-Platzes über Funk die Meldung durch: „Person an Rettungsdienst übergeben !“

Das Ganze ist zwar nur eine Übung, aber so muss es im Ernstfall auch ablaufen, und deshalb werden auch solche „Notfälle“ geübt. Wieder einmal hat die Werkleitung des BASF-Standortes Illertissen sowohl ihr Gelände als auch die Werkfeuerwehr zur Verfügung gestellt, um den Feuerwehren des Landkreises Neu-Ulm wertvolle Übungs-Szenarien zu bieten, wofür die Führungskräfte sehr dankbar sind. Als Übungsleiter fungiert an diesem Samstag der Illertisser Kreisbrandmeister Klaus Butterhof, der im Landkreis für die Ausbildung der Atemschutz-Geräteträger verantwortlich ist. Unterstützung bekommt er von Diplom-Chemiker Dr. Michael Ebner, denn er ist als „Fach-Kreisbrandmeister Gefahrgut“ der Spezialist, wenn es um Einsätze dieser Art geht.

Vierzehn Feuerwehrleute aus Altenstadt, Illertissen, Senden, Vöhringen und Weißenhorn sowie von den Werkfeuerwehren BASF und Wieland, die ihren Grundlehrgang mit dem Chemieschutzanzug schon hinter sich haben, absolvieren einen Samstag lang einen Aufbaulehrgang. Sie sollen, wie Dr. Ebner erklärt, dabei lernen, sich gemäß der Einsatzlage richtig zu verhalten, indem sie in einer ihnen zunächst unbekannte Lage richtig reagieren und die angenommene Gefahrensituation in Absprache mit der Einsatzleitung fachgerecht „abarbeiten“.

In diesem Fall geht es darum, angenommene Schadgase, die aus einem Rührbehälter infolge eines ebenso angenommenen Vorfalles austreten, so zu behandeln, dass diese kein Unheil anrichten können. Was hierbei zu tun ist, bekommen die Feuerwehrmänner in ihren an Raumfahreranzüge erinnernden „CSA“-Monturen über Funk vom Einsatzleiter durchgegeben, der sich seinerseits außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereiches mit den Fachleuten berät. Unterstützung kommt von den Feuerwehren aus Weißenhorn, wo der „Gerätewagen-Gefahrgut“ des Landkreises stationiert ist, und aus Gerlenhofen, wo die „Dekon“-Ausrüstung für die Region bereit gehalten wird.

Die einzelnen Trupps werden mit ihren Aufgaben gut fertig, obwohl das Arbeiten in dem unförmigen Vollschutzanzug nicht gerade leicht fällt. „Man kommt ganz schön ins Schwitzen“ berichtet mancher der CSA-Träger, wenn er sich nach der Dekontamination, also Reinigung und Entgiftung, aus der Hülle schält. Aber am Ende des Ausbildungstages gibt es die Teilnahmebestätigung, die von Kreisbrandinspektor Benedikt Kramer überreicht wird und in der dem Feuerwehrmann bescheinigt wird, dass er gerüstet ist, um im hoffentlich nie eintretenden Notfall sachgerecht und schnell helfen zu können.

Info:

Atemschutz und Notruf

„Schwerer Atemschutz“ bedeutet im Feuerwehreinsatz die Ausrüstung mit Schutzmaske und gereinigter Pressluft (nicht Sauerstoff) in Flaschen, sodass der Feuerwehrdienstleistende geschützt vor Rauchgasen oder anderen Atemgiften „Umluft-unabhängig“ arbeiten kann. Beim Umgang mit Gefahrstoffen schützt sich der Geräteträger zusätzlich mit dem „CSA“-Chemie-Schutz-Anzug, was dann als „Vollschutz“ bezeichnet wird. Dagegen bietet eine Filtermaske, wodurch die Umgebungsluft gereinigt eingeatmet wird, nur „leichten Atemschutz“.

Im Sprechfunk ist der Ruf „Mayday !“ ein international gebräuchliches Notsignal. Das Wort kommt nur scheinbar aus dem Englischen: Es kann somit nicht wörtlich mit „Maitag“ übersetzt werden – vielmehr stammt das Wort aus der französischen Sprache, wo das ähnlich gesprochene „m’aidez !“ als Notruf (wörtlich „helft mir !“) zu verstehen ist.

Bildtexte:

Bild …-008:

Nach dem Notruf „Mayday !“ wird ein Feuerwehrmann, der unter Vollschutz im Einsatz war, von vier Kameraden „gerettet“, die ebenfalls mit „CSA“-Chemie-Schutz-Anzügen ausgestattet sind. Ein Mitarbeiter des „Dekontaminationsplatzes“ im orangefarbenen Schutzanzug mit Filtermaske weist die Retter ein – Übungsszenario aus dem „CSA-Aufbaulehrgang“ der Landkreisfeuerwehren im BASF-Standort Illertissen.

Bild …-014:

Aufbaulehrgang für Feuerwehrleute unter schwerem Atemschutz mit „CSA“-Chemie-Schutz-Anzug auf dem Werksgelände der BASF in Illertissen: Rechts bereiten sich mehrere Geräteträger auf ihren Übungseinsatz vor; links wird ein zuvor aus dem angenommenen Gefahrenbereich „geretteter“ Feuerwehrmann auf dem „Dekontaminationsplatz“ gereinigt und aus seinem Schutzanzug befreit.

Text und Bilder: wis


 
AA_Übg-CSA-BASF-008.jpg  

 
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Mit diesem Bericht verknüpfte Feuerwehren
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